Gutscheine im Einzelhandel: Das müssen Sie beachten

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Des einen Freud, des anderen Leid „Was soll ich bloß schenken?”. Kommen Kunden mit dieser quälenden Frage in Ihr Geschäft, können Sie als Problemlöser auftreten. Sicherheit können Ihnen in dieser Frage neben guter Ware jedoch nur Gutscheine garantieren. Wie ein Gutschein im Einzelhandel auszusehen hat, was für rechtliche Vorschriften zu beachten sind und warum Gutscheine mehr sind als ein bloßes Mittel Geld, in die Kasse zu spülen, lesen Sie hier.

Ein großes Plus: Die Vorteile von Gutscheinen im Einzelhandel

 

Bereitschaft mehr zu kaufen: Da Gutscheine meist verschenkt werden und der Beschenkte somit für den Wert des Gutscheins nichts aufbringen muss, überschreitet die Mehrheit der Kunden oft den eigentlichen Wert des Gutscheins.

Neukundengewinnung: Empfänger von Gutscheinen können Neukunden werden. Keine Form der Kundengewinnung ist leichter.

Weniger Umtausch: Wählt Ihr Kunde einen Gutschein statt einem Geschenk, bleibt Ihnen ein möglicher Umtausch mit großer Wahrscheinlichkeit erspart, da selbst gewählt werden kann, was gefällt.

Kundenbindung: Handelt es sich um einen höheren Gutscheinwert, wird der Kunde eventuell häufiger in Ihr Geschäft kommen, bis der Gutschein aufgebraucht ist.

Bereitschaft besser zu kaufen: Mit einem Gutschein greifen Kunden weniger zu Angeboten, weil nicht zu sehr auf den Preis geachtet werden muss.

Überzeuger: Gutscheine können unentschlossenen Kunden einen letzten Impuls verleihen, doch noch etwas zu kaufen.

Reklamation: Gutscheine im Einzelhandel können sich auch aus einem Reklamationsvorgang ergeben. Für Kunden zwar weniger erfreulich, ist die Rückgabe eines Gutscheins für Sie als Händler die bessere Alternative im Vergleich zur Rückzahlung des Warenwerts. Nicht nur das Geld bleibt in der Kasse, sondern ‒ Stichwort Kundenbindung ‒ man sucht Ihr Geschäft erneut auf.

Liquidität: Auch wenn banal: Verkaufen Sie einen Gutschein, spült das Geld in Ihre Kasse.

Umsatzsteigerung: Gutscheine, in dem Fall eher Coupons, können auch im Kontext von Aktionen ihren Einsatz finden, um viele Leute in einem bestimmten Zeitraum für ein entsprechendes Angebot in Ihren Laden zu locken. Damit kann Umsatzwachstum generiert werden. Sie sollten allerdings sparsam damit umgehen, da sonst Ihr Preisniveau gefährdet ist, Ihre sonstigen Preise in den Keller rutschen und der eigentliche Warenwert verloren geht.

Verbindendes Element: Neben Ihrem stationären Geschäft betreiben Sie auch einen Onlineshop? Dann bieten Sie doch im Laden Gutscheine für Ihren Onlineshop an und umgekehrt genauso, um so die beiden Welten miteinander zu verknüpfen.

Gutscheine im Einzelhandel: Mehr zu bedenken als gedacht

Das „kleine Inhaberpapier”

Bei Inhaberpapieren ‒ so der juristische Fachjargon für Gutscheine im Einzelhandel (gemäß § 807 BGB) ‒ legen Sie, als ausstellender Unternehmer, ein Versprechen ab, die darin festgelegte Leistung jedem der diesen Gutschein vorlegt, zu garantieren. Für die Wirksamkeit eines Gutscheins ist die Schriftform bindend, was nicht damit gleichzusetzen ist, dass eine Unterschrift von Ihnen notwendig zu leisten ist. Da es sich bei Gutscheinen um ein „kleines Inhaberpapier” handelt, ist die Angabe eines Namens nicht bindend. Beim Einlösen kommt es also nicht auf den Namensträger an. Das sollte auf einem Geschenkgutschein stehen (zum vergrößern bitte anklicken):


* Firmenstempel/ Unterschrift sind rechtlich nicht vorgeschrieben, machen aber Fälschungen schwieriger.
*Nummerieren Sie für einen besseren Überblick Ihre Gutscheine und vermerken Sie die Daten. 

Übertragbarkeit

Grundsätzlich sind Gutscheine im Einzelhandel nicht inhaberbezogen und können daher an Dritte übertragen werden. Die Namensgebung auf Gutscheinen dient daher meist nur dem Schenker und Beschenktem und hat ansonsten keine rechtsbindende Wirkung. Das schließt jedoch Gutscheine aus, bei denen deutlich ist, dass nur eine bestimmte Person die Leistung beziehen soll. Entsprechende Umstände, Kontexte oder eine vertraglich festgelegte Vereinbarung machen dies deutlich.

Barauszahlungs- und Restbetragsregelungen

Die festgelegte Leistung eines Gutscheins ist für beide Parteien bindend. Somit ist auch eine Barauszahlung nur dann möglich, wenn dies ausdrücklich vereinbart wurde. Auch auf die Auszahlung des Restbetrags, wenn der Wert eines Gutscheins nicht vollständig aufgebraucht ist, besteht für den Kunden kein Anspruch. Der Restbetrag verfällt natürlich nicht, sondern muss auf dem Gutschein vermerkt oder ein neuer Gutschein ausgestellt werden.

Gültigkeit von Gutscheinen

Bei unbefristeten Gutscheinen gilt die nach § 195 BGB festgelegte dreijährige Verjährungsfrist. Zu beachten ist, dass diese Frist am Ende des Jahres beginnt, in dem der Gutschein ausgestellt wurde. Sprich, wenn Sie im März 2017 einen Gutschein ausstellen, verliert dieser erst am 31.12.2020 seine Gültigkeit. Sie sind nach Ablauf des Gutscheins nicht mehr verpflichtet, diesen einzulösen. Hinsichtlich der Kundenbindungswirkung, die Gutscheine eigentlich haben, ist es jedoch ratsam, für gewisse Zeiträume noch Kulanz walten zu lassen. In jedem Fall ist ein Austellungsdatum unbedingt empfehlenswert, um Beweisschwierigkeiten gleich aus dem Weg zu gehen.

Befristung von Gutscheinen

Geschenkgutscheine können im Ausnahmefall befristet werden. Dies unterliegt aber entsprechenden Anforderungen, die an bestimmte Vorgaben oder an Ihre AGB gekoppelt sind. Hinsichtlich des Verbraucherschutzes kann eine kurz angesetzte Befristung unwidrig sein und ist daher nicht unbedingt ratsam. Wer also nicht mit Ärger rechnen möchte, belässt es einfach bei der gesetzlich festgeschriebenen Dauer von drei Jahren. Kostenlose Coupons und Aktionsgutscheine können hingegen problemlos befristet werden. Im Gegensatz zum herkömmlichen Geschenkgutschein empfiehlt es sich hier sogar, eher einen kurzen Zeitraum anzusetzen, um die Kaufmotivation der Kunden zu steigern.

Geschenkgutscheine und Steuer

Abhängig von den Leistungen, die mit einem Gutschein erworben werden, gelten verschiedene Umsatzsteuersätze. Handelt es sich um einen Gutschein über einen bestimmten Geldbetrag, unterliegt die Leistung der Umsatzsteuer erst bei Einlösung. Wird hingegen eine Leistung konkret festgeschrieben (z.B. ein Gutschein über 20 min Bräunung im Sonnenstudio), dann fällt bereits mit Gutscheinausstellung die Umsatzsteuer an. Kommt es in dem Fall nicht zum Einlösen des Gutscheins, d.h. nach Ablauf der Befristung, kann dies in der Umsatzsteuererklärung korrigiert werden.

Gutscheine im Einzelhandel sind ihren Aufwand wert

 

Die Beziehung zum Kunden, sprich, eine gute Kundenbindung, steht im Mittelpunkt jeder unternehmerischen Praxis. Um dies zu fördern, können verschiedene Mittel zum Einsatz kommen. Gutscheine sind, wie aufgezeigt, eine gute und gewinnbringende Maßnahme. Sichtbar platziert, individuell und für unterschiedliche Anlässe gestaltet, können sie zum Renner werden und kein Kunde muss sich nach Verlassen Ihres Geschäfts weiter mit der leidigen „Was soll ich bloß schenken”-Frage quälen.

Titelbild: faithie/shutterstock.com; weiteres Bildmaterial: INVENTORUM
Quellen: werbepraxis-aktuell.de, business-netz.com, haufe.de, frankfurt-main.ihk.de