Marketing lokal – Interview mit Andreas Wieland - Inventorum

trust element inventorum

Handfestes Marketing für den stationären Händler wird immer wichtiger

Andreas Wieland ist lokaler Onlinemarketing-Experte, Autor und Trainer. Er weiß um die Relevanz des stationären Handels. Schließlich führte er selbst 20 Jahre lang ein Einzelhandelsgeschäft als Juwelier. Wieland ist sich bewusst, dass gerade die Verbindung on- & offline die ultimative Kombination ausmacht.

Uns hat der Experte verraten, worin sich seine Kompetenzen auszeichnen und wie lokalen Händlern effektiv und mit geringem Aufwand geholfen werden kann.

Herzlich willkommen Herr Wieland in unserer Expertenrunde für den Einzelhandel. Warum ist es Ihnen wichtig hier mitzuwirken?

Vielen Dank zuerst einmal, dass ich hier mitmachen darf. Der klassische Einzelhandel steht vor gewaltigen Herausforderungen. Daher finde ich die Initiative von Inventorum genau richtig. Der Händler, der tagtäglich im Geschäft steht, braucht Hilfe von externer Seite, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Und wenn er diese Hilfe gemäß des „Prinzips kostenlos“ bekommt, schafft das Vertrauen und gibt einen ersten Impuls, sich mit den wichtigen Zukunftsfragen auseinanderzusetzen.

Sie haben 20 Jahre lang ein Einzelhandelsgeschäft geführt. Wir sind neugierig. Bitte erzählen sie mehr davon …

Ich habe in meiner Zeit als Geschäftsführer mehrere Filialen eröffnet und mich speziell immer wieder mit Marketing-Fragen befasst. Unser Geschäft hat bereits in den 80er Jahren ein elektronisches Warenwirtschafts-System eingesetzt. Ende der 90er Jahre kam das Web und wir machten unsere ersten Gehversuche. Es entstanden eine Homepage und ein eigener Online-Shop. Wir waren total ahnungslos und wunderten uns, warum online die Umsätze ausblieben.

Rückblickend muss ich sagen, dass das mit dem Onlineshop in etwa so war, wie wenn ich als Kleinkind, das gerade mit dem Laufrad zurechtkommt, einen Formel 1 Wagen kaufe:

  • Das ist viel zu teuer.
  • Ich schaffe es nicht, aus der Boxengasse zu kommen.
  • Und wenn ich es schaffen würde, wäre ich drei bis vier mal so langsam wie der langsamste Formel-Eins-Hinterbänkler.

Daher habe ich mich weitergebildet und mich intensiv mit Onlinemarketing befasst. Mittlerweile läuft der Onlineshop ganz ordentlich, was ohne eine intensive Beschäftigung mit der Materie nicht funktioniert hätte.

Sie geben unter anderem Webinare auf der Plattform Waketo. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Im Herbst 2016 habe ich durch Zufall Waketo entdeckt. Einen der Initiatoren, Wolfgang Gruschwitz, kannte ich von früher. Eines unserer ersten Web-Projekte haben wir durch seine Vermittlung gestartet. Herr Gruschwitz ist ein Fuchs in Sachen Ladenbau und er ist einer, der über den Tellerrand blicken kann. Ich habe mich dann als Experte für lokales Onlinemarketing bei Waketo vorgestellt und wir haben im Anschluss zwei Webinar-Konzepte erstellt und umgesetzt.

In welchem Bereich können Sie Einzelhändlern auf unserer Plattform sowie auf Facebook bei Fragen bezüglich Ihres Geschäfts weiterhelfen? Wo liegt Ihre Expertise?

Meine Expertise liegt im lokalen Onlinemarketing und mein Vorteil ist, dass ich die Sichtweise der Händler kenne, weil ich selber einer war. Ich habe Webprojekte hochgezogen und kenne die realistischen Möglichkeiten. Wer auf mich zukommt, der wird keine unsinnigen Versprechungen bekommen à la „ Ich bringe dich auf Platz 1 bei Google“ oder irgendwelche sonstigen Phantasien, sondern konkrete Hilfestellungen für mehr Auffindbarkeit im Web oder auf den wichtigsten Kanälen. Ich arbeite gerne strategisch für die Positionierung eines Händlers im Web. Gehe dann ins Detail und zeige konkrete Schritte auf, wie ein Einzelhändler im lokalen Umfeld konkret gefunden werden kann. Und ich leiste Hilfe zur Selbsthilfe, wenn es darum geht, Webpräsenzen oder Social Media Präsenzen zu pflegen.

Was wird Ihrer Meinung nach den Handel stark machen in den nächsten Jahren?

Kundenorientierung, Kundenbegeisterung und die sinnvolle Nutzung digitaler Technologien. Kundenorientierung heißt Empathie. Das heißt, der Kunde fühlt sich bei einem zukunftsfähigen Händler von Anfang an wohl und der Händler leistet eine Beratungsqualität, indem er auf den Kunden eingeht und mit Hilfe seiner digitalen Möglichkeiten das Optimum für den Kunden herausholt.

 

Beispiel: Der Kunde wird vor Ort an der Ware beraten aber auch mit Web-Katalogen für optimale Zusatzprodukte. Ein Kunde, der bei einem solchen Händler aus der Ladentür geht, sagt sich: „Wow, das war jetzt ein Kauferlebnis, das kriege ich bei Amazon zum Beispiel nicht.“

 

Der zukunftsfähige Händler kennt die Stärken der „Nur-Onlineangebote“ sehr gut. Er weiß, dass Amazon nicht nur über eine riesige Auswahl verfügt, sondern auch über Big-Data, die zeigen, welche Produkte ein Kunde beim Kauf eines Produktes sonst noch wählt oder benötigen könnte. Und dass durch Produkt-Bewertungen ein durch User geschaffenes Produkt-Wissen vorhanden ist, das ein rein stationäres Geschäft gar nicht bieten kann. Aber weil er aufgeschlossen ist, bedient sich ein zukunftsfähiger Händler dieser Info-Quellen und berät den Kunden situativ und schlägt ihm im richtigen Zeitpunkt genau das richtige Produkt vor.

Der nächste wichtige Punkt ist – nicht nur über Digitalisierung zu reden, sondern Digitalisierung umsetzen. Beispielsweise beim nächsten Termin mit dem Steuerberater einmal über digitales Rechnungswesen reden. Auch hier können Kostenpotenziale gehoben werden.

Wie kann man als kleiner Händler auch Online und Offline Marketing betreiben ohne immense Geldsummen auszugeben?

  • Regionales Netzwerken, online und offline. Von Helmut Wempe berichtet ein Spiegel-Artikel aus dem Jahre 1982 sinngemäß – „Herr Wempe kennt in Hamburg jeden Barkeeper persönlich.“
  • Konzentration – Profil schärfen
  • Konzentration heißt auch – wenige Online-Kanäle bespielen, dann aber richtig.
  • In Mitarbeiter investieren – wenn ich 1000 Euro Budget habe dann sind Mitarbeitermaßnahmen die beste Investition
  • Details und Kleinigkeiten – die Webpräsenz und die FB-Fanpage gehören ins Fenster. Aktiv Bewertungen akquirieren. Die Webpräsenz aktuell halten. Die Website und die Facebook-Seite gehören auf den Kassenbon und in das Post-Scriptum der E-Mail.
  • Im Wettbewerb der Sympathie punkten.

 

Was war Ihr letztes positiv in Erinnerung gebliebenes Erlebnis in einem Geschäft in Ihrer Stadt?

Das war in einem lokalen Bike-Shop bei uns hier im Raum Marburg-Giessen. Ich suchte für meine Frau ein Bike und habe dort angerufen. Da wurde mir gleich ein Beratungstermin angeboten. Dieses Angebot habe ich gerne wahrgenommen. Bei einem Capuccino erfolgte dann eine 1A-Beratung mit Ausmessen und allen Dingen, die echte Biker schätzen. Nie im Leben würde ich auf eine solche Beratung verzichten wollen und wenn ein Bikediscounter mit noch so viel Prozenten um sich wirft.

 

Was müßte aus politischer Sicht verbessert werden, um es Händlern leichter zu machen? (hohe Mietpreise, Ausbreitung von Ketten und Zentren etc.)

Eigentlich glaube ich an die Anpassungsfähigkeiten von Märkten und bin gar kein Freund von sehr viel Regulierung. Aber wenn eine Stadt bereits ein starkes Zentrum hat und ein EKZ auf der grünen Wiese, warum braucht es dann ein zweites?

Aber zu viele staatliche Eingriffe sind nicht zielführend. Eine Mietpreisregulierung ist nicht realistisch und dass sich erfolgreiche Konzepte mittels Filialisierung fortpflanzen wollen, liegt in der Natur der Sache. Ein Filialsystem entsteht, weil jemand etwas gut macht und Investoren der Meinung sind, dass diese gute Sache multipliziert werden kann. Dadurch entstehen Größenvorteile, die das Wachstum beschleunigen. Der kleine Händler muss die Nachteile sehen, die Größe mit sich bringt und gezielt die Achilles-Ferse der Großen angreifen. Wie sagte einst Günter Fielmann: „Wenn ich Augenoptikermeister wäre, würde ich ein Geschäft neben einem Fielmann-Laden aufmachen.“



Über den Autor/in
Andreas J. Wieland

Wieland-Beratung

Experte/in für

Marketing, Geschäftsoptimierung, Verkaufstipps

• Autor des Buches: „Mehr Umsatz mit Trauringen“ (Chmielorz 2013) • Redakteur auf Onlinemarketing.de • Online-Trainer auf Waketo.de


Sie möchten den Einzelhandel unterstützen und unsere Runde erweitern?
Wir freuen uns über Ihre Anfrage. Oder rufen Sie uns einfach an 030 208 986 369.


Bitte füllen Sie die folgenden Felder aus (* = Pflichtfeld)

Ich interessiere mich für folgende Themen (*)

 Aktuelle Entwicklungen E-commerce Existenzgründung Geschäftsoptimierung Marketing Rechts-und Gesetzeslagen Shop-Einrichtung Steuern und Buchhaltung

Hinterlasse einen Kommentar

13 − neun =