Interview mit Julia Greven, Geschäftsführerin bei philla BrandXitement - Inventorum

trust element inventorum

Julia Greven war 16 Jahre Brand-Building-Verantwortliche für die CABINET Schranksysteme AG. Ihre Leidenschaft für die Kreation, den Auf- und Ausbau von Markenwelten sowie Ihr gutes Gespür für aktuelle Entwicklungen und Trends wollte sie zukünftig gern mit anderen Unternehmen teilen und gründete philla BrandXitement. Heute bietet Sie ihr Marketing- und Strategie Fitnessprogramm Institutionen, Städten, Unternehmen, Herstellern und Händlern an.

 

Hallo Frau Greven. Herzlich willkommen in der Runde. Sie beraten Unternehmer im Bereich Handel. Was verbinden Sie persönlich mit dem Einzelhandel aus Ihrer Kindheit?

Oh ja, schöne Frage! Ich erinnere mich an drei Dinge aus drei verschiedenen Branchen besonders:

Die dicke Fleischwurstscheibe, die einem über die Theke gereicht wurde (wahrscheinlich ein Grund warum ich bis heute noch Mortadella liebe), das bunte Bällebad in IKEAs Småland (keine positive Erinnerung! – Ich dachte, meine Mutter würde mich nie wieder dort abholen) und „Lurchi – der Feuersalamander“ vom Schuhersteller Salamander, eine Firma, welche auch im Nachhinein betrachtet eine tolle Zielgruppen-Ansprache und Customer Experience betrieben hat!

 

Sie sind sowohl im Bereich Interieur, Trendscouting als auch im Marketing tätig. Wie verbinden Sie diesebeiden Bereiche?

Marketing spielt ja in nahezu allen Bereichen des Lebens eine Rolle – ob Selbstvermarktung, Stadtmarketing oder Handelsmarketing, ich finde folgende Anlehnung an den offiziellen Wikipedia Eintrag eigentlich am zutreffendsten: Aufgabe und Funktion des Marketing ist es Waren oder/und Dienstleistungen anzubieten in einer Weise, dass potentielle Konsumenten dieses Angebot als wünschenswert wahrnehmen.

Die Schaffung oder Aufnahme und Übersetzung von Trends hat ja den gleichen Zweck. Gerade in der Fashion-, Lifestyle- und Einrichtungsbranche sind diese Bereiche also doch ganz wundervoll miteinander verknüpfbar.

 

Als freie Marketingberaterin hat man sicher einen guten Einblick in verschiedene Branchen. Welche ist Ihre Liebste?

Mir fällt es einfacher zu sagen, welche Branchen mir NICHT die Liebsten sind: Banken- und Versicherungen, sowie die Pharma-, Chemie- und Waffenindustrie. Für alle anderen kann ich mich sehr begeistern.

 

Sie waren selbst jahrelang angestellt und sind nun selbstständig. Wie ist es für Sie, selbstständig zu sein? Was können Sie jungen Unternehmern raten?

Ich fühlte mich nie ‚angestellt‘, da ich ja viele Jahre in (m)einem Familienunternehmen gearbeitet habe und dort nicht nur selbstverantwortlich tätig war, sondern auch Verantwortung für die Familie und den Familienbetrieb übernahm. Ob angestellt oder selbständig, immer gilt: wer seinen Job mit Leidenschaft ausübt und sich damit identifiziert, der fühlt sich verantwortlich für die Sache, das Projekt, den Erfolg und sein Unternehmen. Daher kann ich nur empfehlen: wenn es die Lebensumstände irgendwie zulassen, mach unbedingt das, was Du liebst!

Vielleicht kommt man auf anderem Wege schneller zu mehr materiellem Reichtum aber ganz sicher nicht zu mehr Zufriedenheit. Das jedenfalls ist meine tiefe Überzeugung.

 

 

Julia Greven ist auch Initiatorin der FUTURE TRADE Marketing-Tagung

 

Im Handel die Sinne anzusprechen wird immer wichtiger, denn das macht den größten Unterschied zur Onlinewelt? Haben Sie universale Tipps für Händler?

Das stimmt, je mehr Sinne positiv angesprochen werden, desto erfolgreicher die Kundengewinnung und Bindung. Allein hier muss vom Handel aber deutlich mehr investiert werden (in das verlockende Schaufenster, das richtige Licht, den richtigen Duft, die begehrenswerte Warenpräsentation, das angenehme Ambiente und die verkaufsfördernde Shop-Konzeption)!

Wenn der Handel es dann schafft, die positive Euphorie auch bis zum und nach dem „Check Out“ hochzuhalten, wäre der Erfolg garantiert. Leider verfliegt die erste Hochstimmung aber  meist schon in dem Moment, wo ich als Kunde Hilfe benötige (Warenbeschaffung und/oder Anprobe).

Die zweite Frustration folgt dann spätestens an der Kasse – bzw. in der langen Schlange davor.

Das Höchstmaß an Komfort für den Kunden sehe ich hier daher in der sehr cleveren Amazon-Go „just walk out Technology“ (Nachteil für den Kunden: individuelle Preisverhandlungen sind bei dieser Automatisierung so nicht mehr möglich).

 

Sie betreiben einen eigenen Blog. Erzählen Sie uns gern wie es dazu kam …

Der Blog befindet sich gerade im Aufbau. In einer sich so schnell wandelnden, digital interaktiven Zeit braucht es meines Erachtens auch ein lebendiges Kommunikationsmedium. Das Internet hat sich schon lange von einer Präsentations und Informationsplattform hin zu einer Kommunikationsplattform gewandelt. Der Blog ergänzt oder ersetzt Webseiten.

Insbesondere wer als Berater aktiv ist oder online einen Shop betreibt wird ohne „News-“ oder „Inspirations-Feed“ nicht mehr auskommen.

 

Was sind die 3 Learnings aus Ihrer Gründung, die sie Händlern mit auf den Weg geben können?

1.   „A brand is not a logo – it’s what people say, think and feel about it.“ – Marken können nur positiv strahlen, wenn sie aktiv geführt werden.

2.   „Wer aufhört, besser werden zu wollen, hört auf, gut zu sein.“ – Neugierde bewahren und aktiv bleiben!

3.    „Impulse sind die Triebfedern für Erfolg!“ – Sorg nicht nur bei Deinen Kunden für frische Impulse, sondern auch bei Dir selbst.

 

Würden Sie behaupten der Handel ist eine Männerdomäne? Wie behaupten Sie sich als Frau und was raten Sie insbesondere Händlerinnen?

Das die gesamte Wirtschaft bis dato Männer dominiert ist, ist Fakt. Aber der Einfluss der Frauen wächst stetig. Egal ob männlich oder weiblich, wenn sich Kompetenzen ergänzen, statt im Wettbewerb miteinander zu stehen kann das erwiesener Maßen nur förderlich sein.

Eigenschaften wie Vernunft, Logik, Mathematik, lineares Denken, schreibt man ja in der Regel eher Männern zu. In Zeiten in denen wir Computer dazu entwickelt haben viele dieser Kompetenzen  zu erfüllen, sind bei Menschen (egal welchen Geschlechts) zunehmend auch andere Qualitäten gefragt.

Heißt ganzheitliches Denken. Intuition, Emotionalität, Kreativität. Die ausgewogene Mischung der unterschiedlichen Stärken wird den Erfolg bringen: Im „Backend“ die Entwicklung guter Technologien für reibungslose effiziente Abläufe (Thema: Digitalisierung), Im „Frontend“ der Einsatz von Emotionalität, Impulsen und Kreativität (Thema: Customer-Experience).



Über den Autor/in
Julia Greven
Geschäftsführerin

philla BrandXitement

Experte/in für

Brand-Building, Marketing, Training

- 2016 Gründung der mindtwist-U Akademie - Initiatorin der FUTURE TRADE Marketing-Tagung - Mitglied im Marketing-Club und europäischen Verband für visuelles Marketing & Merchandising


Sie möchten den Einzelhandel unterstützen und unsere Runde erweitern?
Wir freuen uns über Ihre Anfrage. Oder rufen Sie uns einfach an 030 208 986 369.


Bitte füllen Sie die folgenden Felder aus (* = Pflichtfeld)

Ich interessiere mich für folgende Themen (*)

 Aktuelle Entwicklungen E-commerce Existenzgründung Geschäftsoptimierung Marketing Rechts-und Gesetzeslagen Shop-Einrichtung Steuern und Buchhaltung