Ladenbau für Beginner – 8 Tipps für den optimalen Ladenbau - Inventorum

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Auch in Zeiten von Internetshopping und Onlinemarketing sollte jeder stationäre Händler auf die Gestaltung seiner Ladengeschäfte achten. Nach wie vor wird ein Großteil des Umsatzes im stationären Geschäft erwirtschaftet und nirgends bietet sich eine bessere Gelegenheit, den Kunden in die Welt der eigenen Marke eintauchen zu lassen. Hierfür ist der Ladenbau bzw. die Ladengestaltung die Grundlage. Die Einrichtung sollte individuell auf das Geschäftskonzept zugeschnitten sein, die Werte des Unternehmens verkörpern und das Produkt optimal in Szene setzen. Doch was versteht man überhaupt unter dem Begriff „Ladenbau”?

Klassischerweise umfasst der Begriff Ladenbau die professionelle Ausstattung der Geschäftsräume, insbesondere die Gestaltung der Verkaufsfläche in Einzelhandelsgeschäften. Der Ladenbau gehört neben der Warenpräsentation und Warenplatzierung zum Handelsmarketing. Ziel ist immer, das Einkaufserlebnis der Kundschaft zu optimieren und dadurch den Absatz zu fördern.

Worauf ist beim Ladenbau zu achten?

Bei der Gestaltung des Geschäfts sollte zunächst ein Gesamtkonzept entwickelt und dann gezielt umgesetzt werden, denn es geht darum, dem Kunden ein zusammenhängendes Einkaufserlebnis zu bieten. Die ausführenden Firmen, wie Tischler, Fußbodenleger, Maler etc. sollten dabei von einem Fachmann (z. B. einem Innenarchitekten oder Architekten) gesteuert werden, um eine reibungslose Abwicklung des Projekts zu gewährleisten.

1. Orientieren Sie sich an der Käufergruppe

Die Ladengestaltung sollte sich in ihrem Design immer an der jeweiligen Käufergruppe orientieren. Verkaufspsychologisch sollte die Gestaltung eines Kiosks beispielsweise eine andere sein als die eines Kosmetiksalons. Erfüllt man mit dem Ladenbau die Erwartungen der Käuferzielgruppe, so steigen die Chancen auf Umsatzsteigerung. Auch die richtige Beleuchtung trägt zu einem positiven Einkaufserlebnis bei und erhöht so die Verkaufschancen. So erfordern Backwaren beispielsweise eine andere Lichtfarbe als frisches Obst und Gemüse, während in Modeboutiquen mit warmweißen Licht ein angenehmes Ambiente erzielt werden kann. Es geht darum, die Ware so attraktiv wie möglich zu präsentieren und die Verweildauer des Kunden zu erhöhen.

2. Richten Sie Ihren Shop nach Themenwelten aus

Mit der Ausrichtung nach Themenwelten schaffen Sie eine Stärkung Ihrer Marken, aber auch eine Orientierung für die Käufer. Richten Sie Ihre Waren entsprechend bestimmter Themen, die zu Ihnen, Ihren Produkten und Ihrem Geschäft passen, aus. Themenwelten können in der Wahrnehmung des Kunden eine emotionale Bildsprache hinterlassen. Wichtig ist dabei, dass Themen und Geschichten aktuell und relevant sind, wie z. B. Thema Urlaub oder Natur im Sommer, oder auch Geschichten über die Herkunft eines Produkts.  
Tchibo ist eine Marke, die in regelmäßigen Abständen neue Themenwelten präsentiert. Solche sind zum Beispiel Garten & Grillausstattung oder Yoga & Fitness. Wirkungsvoll sind Themen, die sich wie ein roter Faden durch das Geschäft ziehen, beginnend mit dem Schaufenster, dem Plakat oder dem Kundenstopper und wiederholt an exponierten Punkten im Shop auftauchen. Machen Sie Ihre Kunden neugierig auf Ihr Produkt, vermeiden Sie dabei aber Reizüberflutung durch zu viel Infomaterial und billige Aufsteller. Wechselnde Themen und saisonale Sonderpräsentationen sorgen für Abwechslung in der Wahrnehmung des Kunden.

3. Schaffen Sie ein positives Einkaufserlebnis

Das Einkaufserlebnis wird neben Schlüsselfaktoren wie Service und Angebot entscheidend mitbestimmt durch das Zusammenspiel der Gestaltungselemente im Ladenbau: u. a. Wegeführung und Orientierung, Grundstimmung der Gestaltung, Material- und Farbkonzept, Warenpräsentation und Beleuchtung.
Grundsätzlich gilt: Klarheit und Einheitlichkeit in der Gestaltung unterstützen die Glaubwürdigkeit Ihres Unternehmens und schaffen Vertrauen. Dazu gehört auch Konsistenz in der Warenpräsentation.
Vermeiden Sie Reizüberflutung durch zu viel Informationsmaterial und schaffen Sie Kontraste, indem Sie ruhige, weniger dicht möblierte Zonen und solche mit hohem Warendruck kombinieren. Setzen Sie wenige deutliche Akzente; betonen Sie z. B. Neuheiten und Aktionen an zwei, drei Punkten im Laden.
Vor allem gilt: Betrachten Sie Ihren Shop so oft wie möglich aus den Augen des Kunden.

4. Nutzen Sie die gesamte Ladenfläche effizient

Die gesamte Fläche des Ladens auszustatten ist relevant für das Einkaufserlebnis der Kunden, sowie für Ihr Budget. Achten Sie bei der Möblierung auf Übersichtlichkeit und klare Strukturen. Gangbreiten sollten in einem passenden Verhältnis zur Größe des Ladens stehen. Vermeiden Sie zu hohe Möblierung auf kleiner Fläche. Diese kann den Blick des Kunden auf das Angebot blockieren. Stattdessen kann man bei einem großen Warenangebot durch eine hohe Wandregalierung klare Horizonte setzen. Bei Ladengeschäften mit übermäßiger Tiefe kann ein hohes Wanddisplay an der Rückwand auch eine Zugwirkung in den hinteren Ladenbereich bewirken. Eingangsbereiche hingegen eignen sich wie Schaufenster gut zur Platzierung von Neuheiten und Aktionen, um die Neugierde des Kunden zu wecken.

Ladenbau
Amuvia, Modena Design: Studio Brandt, Fotografie: Christian Vorhofer

5. Fördern Sie Emotionalität und Storytelling

Präsentieren Sie Ihre Waren funktional korrekt, so stellen Sie Ihre Kunden rein rational zufrieden. Mithilfe von Storytelling und gut durchdachten Shopkonzepten können Sie diese zusätzlich auf einer emotionalen Ebene erreichen und so an Ihre Marke binden.
Beim Storytelling geht es darum, die Fantasie des Kunden durch Visuelle und verbale „Geschichten” so anzuregen, dass er sich in die Welt Ihrer Produkte hineinversetzen und deren Nutzen emotional erleben kann. So kann Funktionskleidung für Sportler mit den Worten: „Wärmt, wenn Sie frieren. Kühlt, wenn Sie schwitzen.” beworben werden. Die Marke Globetrotter führt uns auf einzigartige Weise auch im Ladenbau vor, wie Produkteigenschaften in Erlebnisse vor Ort übersetzt werden können.

6. Sprechen Sie die Sinne an

Wenn es geht, schaffen Sie multisensorische Eindrücke, mit denen Sie die Sinne ansprechen. Sie können dazu am Duft im Geschäft arbeiten oder den Kunden haptische Erlebnisse bieten sowie verschiedene Eindrücke kombinieren. Sensorische Reize sprechen einen Kunden an dem Punkt an, an dem er noch nicht weiß, dass er ein Produkt benötigt und regen ihn damit zum Kauf an. Je mehr die Sinne, wie Tasten, Riechen, Schmecken, Hören und Sehen, angesprochen werden, desto eindrucksvoller erscheint die Botschaft und treibt den Kunden damit zu einem schnelleren Kauf. Der Fachbegriff hierfür lautet „Multisensorisches Branding”. Auf Düfte reagieren wir beispielsweise zu 75 % – so finden wir zum Beispiel einen Verkaufsort mit einem angenehmen Duft attraktiver und bewerten das Preis-Leistungs-Verhältnis positiver. Das Duftmarketing kennt solche Geheimnisse. Verkaufsräume lassen sich mit Aromen, wie dem Duft frischer Brötchen oder Kaffee, durchfluten. Ebenso gibt es Agenturen, die sich auf zum Angebot passende Sounderlebnisse spezialisieren.

7. Bieten Sie mehr Komfort durch Zusatzangebote

Durch zum Produkt passende Zusatzangebote können Sie die Verweildauer des Kunden erhöhen und sich von der Konkurrenz abheben. Leseecken in Buchhandlungen, Wartezonen in Umkleidebereichen, sowie Kaffeeangebote und Kinderecken im Shop gehen besonders auf die Bedürfnisse der Kunden ein. Zunehmend beliebter wird auch außerhalb der Modebranche die Idee, den Kunden Produkte ausprobieren zu lassen. Mitmachangebote in Schokoladenläden gehören in diese Kategorie, aber auch Kochkurse im Lebensmitteleinzelhandel, Rezeptangebote etc. bieten dem Kunden mehr Service und binden ihn so auf besondere Weise an das Unternehmen.

8. Ermöglichen Sie Bewegungs-  und Barrierefreiheit

Trotz alledem ist es wichtig, auch auf Funktionalität zu achten: Die Verkäufer sollten sich schnell durch den Laden bewegen können, die Kunden sich zwischen den Produkten wohl fühlen und diese auch selbstständig entdecken können. Barrierefreiheit für ältere Menschen und Behinderte sollte gewährleistet werden. Bei umfangreicheren Baumaßnahmen kann diese sogar gesetzliche Pflicht sein. Aber auch an den Besuch von Kindern sollten Sie denken und darauf achten, dass Sie Ihre Produkte so platzieren, dass diese möglichst keinen Schaden nehmen bzw. Produkte für Kinder auch auf kindgerechter Höhe zu finden sind.



Über den Autor/in
Heike Brandt
Gründerin und Inhaberin

Studio Brandt

Experte/in für

Shopeinrichtung & Markenarchitektur


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